Dienstag, 14. Februar 2012

Antibiotika in der Tierhaltung

Antibiotika, die zum Beispiel in der Schweine-und Gefügelmast, über den legalen Rahmen hinaus Verwendung finden, sind in aller Munde. Entweder wird direkt die Antibiotikanutzung angeprangert, oder aber die mikrobiologische Qualität des Fleisches bemängelt.

Das Problem einer breiten Anwendung antibiotischer Wirkstoffe liegt in der Bildung von Resistenzen. Bakterien haben einige Eingenschaften, die zur Bildung von Resistenzen beitragen. Sie teilen sich sehr schnell und haben keine besonders gute Fehlerkorrektur bei der Vermehrung ihres Erbguts (DNA). Dadurch ist die Häufigkeit von Mutationen im Erbgut wesentlich erhöht. Aufgrund dieser Tatsache wird die Vielfalt genetischer Ausprägungen (Phänotypen) mit der Zeit immer größer. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass zufällig eine Resistenz entstanden ist. Diese kann dann, wenn das entsprechende Antibiotikum verabreicht wird, für die Bakterien vorteilhaft sein, weil sie, im Gegensatz zu  ihren Kollegen, nicht vom Antibiotikum beeinträchtigt werden (Selektionsvorteil). Man beobachtet nun eine Evolution im kleinen Maßstab, weil die am besten an die Umgebung angepassten Bakterien sich stärker vermehren (survival of the fittest).

Eine einzelne Resistenz ist erstmal noch kein allzu großes Problem. Jedoch sind viele Bakterien dazu in der Lage, Resistenzen an andere Bakterien weiter zu geben. Man spricht hier vom horizontalen Gentransfer. Das wird dann problematisch, wenn  ein Antibiotikum aufgrund der zunächst entstandenen Resistenz keine Wirkung mehr zeigt und ein anderes eingesetzt wird. Ehe man sich versieht hat man dann Bakterien, die zwei unterschiedlichen Antibiotika widerstehen können. Damit ist noch lange kein Ende erreicht.

Letztlich gelangen somit resistent Bakterien auf das Fleisch und landen beim Verbraucher. Das wurde nun auch von der oben verlinkten Organisation festgestellt. Was folgte war blinder Alarmismus durch die gesamte Medienlandschaft. Normalerweise sind nämlich Bakterien auf dem Fleisch zwar unappetitlich, aber eben auch weitgehend unproblematisch. Denn üblicherweise wird nur ein geringster Anteil roh verzehrt und die große Masse entsprechend durcherhitzt, insbeosondere Geflügel- und Schweinefleisch. Damit sind dann die Bakterien Geschichte und normalerweise nicht mehr gefährlich.

Das eigentliche Problem entgeht der Panikmache und ist auch für Vegetarier wie mich interessant. Die resistenten Keime enden eben nicht nur im Fleisch, sondern überall dort, wo es Kontakt zu den tierischen Produkten gibt. Und zu den Endprodukten. Betroffen ist also auch Gülle-gedüngtes Gemüse. Und das wird sehr häufig roh verzehrt. Dass das ein Problem ist, sah man an der EHEC-Epidemie 2011. Auch hier war Gemüse (Sprossen) der Überträger. Diese Erkrankung war acuh sehr schwer zu behandeln.

Die Frage ist, wie auf diese Zusammenhänge zu reagieren ist. Man könnte sich vom Salat abwenden, Rohes und unvollständig Gegartes meiden. Man könnte zu Bio-Lebensmitteln greifen. Letzteres ist meiner Meinung nach die beste Wahl, weil man einerseits die Gülle aus der konventionellen Massenhaltung meidet und andererseits das Problem an der Wurzel bekämpft. Biologische Landwirstschaft ist hinsichtlich des Antibiotikaeinsatzes viel stärker reglementiert. Den Biostempel ist man schnell los, wenn Antibiotika außerhalb einer Erkrankung eingesetzt werden. Weiterhin sind diese Arzneimittel auch viel seltener nötig, weil entsprechende Massenhaltung nicht erlaubt ist.

Auch wenn die EHEC-Epidemie ihre Ursache bei einem Biobetrieb hatte und auch die biologische Erzeugung nicht perfekt ist, so ist es zumindest bis zur flächendeckenden Durchsetzung besserer Standards bei der konventionellen Landwirtschaft, insbesondere bei der Tierhaltung, die bessere Wahl.

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