Samstag, 8. September 2012

Gedanken zur Bio-Debatte

Herrlich wie flach doch die Welt ist. Schön überschaubar. So ist es denn jetzt auch in vielen Gazetten zu lesen, dass Bio-Lebensmittel nicht gesünder sein. Je blöder BILD die Zeitung, desto simpler die Message. Wer, wie viele Deutsche, generell etwas geizig beim Lebensmittel-Einkauf ist, der wird sich bestätigt fühlen. Da kann man es sich dann auch einfach machen und sich das Nachlesen sparen. Warum wollte man denn wissen, wie die Frage überprüft wurde. Kostet bloß Zeit, da kann man doch auch fernsehen.

Selbstverständlich, so möchte man meinen, sagt die Studie (bzw. Meta-Untersuchung) überhaupt gar nicht aus, was diverse Populärmedien ihr andichten wollen. Im Großen und Ganzen wurde der Nährwert und die Belastung mit Pestiziden untersucht, daneben wurden einige klinische Studien mit zum Gesundheitszustand unterschiedliche ernährter Kinder geprüft.
Beim Nährwert wurde kein großer Unterschied zwischen konventionell und biologisch angebautem Gemüse erkannt. Sollte das wirklich jemanden überraschen? Natürlich nicht, denn der Nährwert hängt vielmehr von Sorte und Anbaubedingungen wie Boden und Wetter ab, als vom Dünge und Schädlingsbekämpfungsaufwand, welche den größten Unterschied zwischen den beiden Anbaumethoden darstellen.
Allerdings wurden bei biologisch angebautem Gemüse weniger Pestizidrückstände festgestellt - und in der Folge auch weniger im Urin biologisch ernährter Kinder. Auch das kein Heureka-Moment, sondern logisch leicht nachvollziehbar. Wo keine Pestizide verwendet werden dürfen, sind sie auch nicht - abgesehen von der Umweltbelastung - in den Lebensmitteln. In der Veröffentlichung sichert man aber sofort zu, dass überall entsprechende Grenzwerte eingehalten werden. Super, wer bestimmt die eigentlich?

Bei tierischen Produkten fand man in biologisch erzeugten Lebensmitteln weniger Antibiotika. Auch hier ist die Ursache völlig einleuchtend. Was nicht verwendet wird, zeigt sich auch nicht in den Rückständen. Dementsprechend wurden auch weniger Antibiotika-resistente Keime auf Biofleisch gefunden. Eine klinische Bedeutung dieses Ergebnisses ist bisher unklar. Tatsache ist aber, dass immer mehr multiresistente Bakterien auftauchen und viele Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Das dies eine ungünstige Entwicklung ist, leuchtet ein. Die konventionelle Landwirtschaft ist währenddessen einer der Großverbraucher von Antibiotika. Wer jetzt, um im Bilde zu bleiben, die Kuh über den Eimer stellt, dem brauche ich da nichts weiter zu zu sagen.

Das Fazit muss hier klar sein. Selbstverständlich sind Biolebensmittel gesünder! Warum sollte man sich freiwillig belasten? Bleibt nicht ein Restrisiko? Was, wenn Grenzwerte falsch veranschlagt wurden. Wer dann noch nicht ganz penibel in der Küche (und mithin auch nicht Vegetarier) ist, hat ratz-fatz Antibiotika-resistente Bakterien im Salat. Alles keine guten Aussichten.

Neben diesen Punkten sind zwei Dinge völlig klar. Einerseits ist das Risiko diverser Rückstände deutlich kleiner als das, welches aus Fehlernährung erwächst. Auch Biopommes machen fett und sind ungefähr so nahrhaft wie die Pappschale in der sie serviert werden. Eine gerne übersehene Tatsache. Andererseits sind Biolebensmittel aber einfach gut für das Gewissen. Das Grundwasser wird nicht durch übertriebenen Düngemitteleinsatz belastet, die Tiere sind glücklicher und man fördert keine Fabriklandwirtschaft, die die Landschaft verschandelt.

Samstag, 21. Juli 2012

Beschneidungsdebatte

Die Beschneidung von Jungen aus religiösen Gründen ist kürzlich von einem Kölner Gericht zur Körperverletzung erklärt worden als die Körperverletzung bestätigt worden, die man durch die Brille der Religionsfreiheit nicht zu erkennen bereit war. Interessanterweise ist im Nachgang zur Offenlegung dieser Tatsache eine Diskussion vom Zaun gebrochen worden, die in ihrer Schärfe kaum zu übertreffen ist. Vorher war das nie ein Thema.
Gewalt gegen Kinder muss möglichst vermieden werden. Jedes Thema kann da zum Aufreger werden. Eine Misshandlung ist aus der Tradition heraus nicht zu rechtfertigen. Das gilt eben nicht nur für Beschneidungen, aber man kann sie auch nicht einfach von ausnehmen. Fraglich ist da, wo durch das gesellschaftliche Korrektiv die Grenze gezogen werden soll. Dürfen Eltern für kleine Mädchen entscheiden, dass ihnen Ohrlöcher gestochen werden sollen? Viele Mädchen haben schließlich Ohrringe. Ist doch eigentlich Tradition und sieht so süß aus! Wie steht es mit Schlägen zur Erziehung? Wie mit Fehlernährung? Wie mit Verblödung durch das Kinderprogramm im Fernsehen? Was ist verboten, was ist erlaubt? Ist nur verboten, was man auch kontrollieren kann? Wieviel Körperverletzung und Kindesmisshandlung soll Eltern erlaubt werden? Ein Schnellschuss des Bundestages zur Straffreistellung von Beschneidungen ist aber sicher der falsche Weg.

Donnerstag, 16. Februar 2012

IGeL-Monitor

In letzter Zeit sind wieder die IGeL unterwegs in den Medien. Damit sind nicht die kleinen stacheligen Tiere gemeint, die sich derzeit in diversen Laubhaufen schlafend von ihrer Schneckenjagd erholen. Vielmehr sind IGeL ein Kürzel für individuelle Gesundheitsleistungen, also all jene Behandlungs- und Diagnoseformen, bei denen ein Arzt die Patienten direkt zur Kasse bittet. Diese Verfahren können sinnvoll, unsinnig oder gar schädlich sein. Damit dem unbedarften Patienten weder gesundheitlich noch monetär der Garaus gemacht wird, hat nun der Medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenkassen den IGeL-Monitor ins Leben gerufen. Laut eigener Aussage bietet man wissenschaftlich fundierte Informationen über diese von den Ärzten angebotenen zusätzlichen Leistungen.

Der Katalog der Maßnahmen ist schier unüberschaubar und so hat man seitens des IGeL-Monitors nur bestimmte, häufig angebotene, Dienstleistungen herausgepickt. Ein richtiges, vollständig beschriebenes System existiert nicht, vielmehr wird Willkür angedeutet. Man müsste explizit nachfragen, wenn die individuell angebotene Leistung keine Erwähnung findet. Dieser Vorgang ist natürlich in der Realität kaum so vorstellbar.

Kommen wir zu der Bewertung. Diese ist übersichtlich aufgemacht. Es gibt am Anfang ein Fazit und eine kurze Erläuterung dazu, der geneigte Patient kann sich aber umfassender informieren, wenn er die jeweils verlinkte Seite besucht.

Die große Kritik an den Bewertungen ist, dass man zwar behauptet, wissenschaftlich fundiert zu urteilen, jedoch Verfahren, die diametral zur wissenschaftlichen Theorie, zum gesunden Menschenverstand und zur Logik stehen, nicht genau aus diesem Grunde als die Geldschneiderei, die sie sind, aburteilt.

Zu diesen Verfahren gehört die Bachblütentherapie. Viele denken bei dem Namen an Blumen am Fluss, sogleich stellt sich ein wohliges Gefühl von sanfter Medizin aus unberührter Natur ein. Pustekuchen! Bach ist der Name des Erfinders dieser nach ihm benannten Behandlungsform. Dieser Engländer hat aus einem nicht dokumentierten Grund einmal frei 38 Pflanzen halluziniert, die gegen ebensoviele mysteriöse, negative Seelnzustände durch eine Schwingungsharmonierung helfen sollen. Diese Pflanzen werden ganz nach gusto entweder ausgekocht oder in einem Bottich in die Sonne gestellt. Nach einigen Verdünnungsschritten mit Schnaps, entsteht dann die Urtinktur, in der letztlich von der Pflanze kaum noch etwas zu finden ist. Daher wirken diese Mittel auch nicht stärker als ein anderes Plazebo. Soweit bestätigt das auch der IGeL-Monitor, kommt letztlich aber aufgrund der Tatsache, dass ein Mittel, das keine Wirkung hat auch keine Nebenwirkungen hat, zu dem Schluss, dass der Wert dieser Behandlung als unklar zu bewerten ist. Herzlichen Glückwunsch, dies ist die mittlere Bewertungsstufe.

Ebenso mittelmäßig wird der HbA1c-Test zur Diabetesdiagnose bewertet. Dieser Wert beurteilt quasi den mittleren Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum, während ansonsten der Nüchtern-Blutzucker gemessen wird. Beide Werte sollten recht niedrig sein. Beide funktionieren etwa gleich gut, in der Diabetesdiagnose. Der Patient kann sich mit dem HbA1c-Test letztlich also Bequemlichkeit kaufen, er muss nicht nüchtern zum Arzt oder im Zweifel einen zweiten Termin machen, wenn der Arzt ihm zu diesem Test rät, weil eventuell aufgrund des Lebensstils oder der Körperfülle ein erhöhtes Risiko besteht, einen Diabetes zu entwickeln. Das Ganze ist für 14 Euro zu haben und kostet damit unter Umständen bloß ein Zehntel des Betrages, den ein Bachblüten-Scharlatan für seine Fantasietherapie verlangt.

Es wird somit eine nachweislich wirkungslose Zusatzbehandlung die mehr kostet als eine wissenschaftlich nachgewiesene Diagnosemöglichkeit die für den Patienten bequemer ist in den gleichen Topf geworfen.

Beim IGeL-Monitor muss also dringend nachgebessert werden und es ist zu hoffen, dass man zukünftig wirklich nach strengen wissenschaftlichen Kriterien beurteilt und den Quacksalbern, die Patienten das Geld sinnlos aus der Tasche ziehen, ihr Handwerk etwas schwerer macht.

Dienstag, 14. Februar 2012

Antibiotika in der Tierhaltung

Antibiotika, die zum Beispiel in der Schweine-und Gefügelmast, über den legalen Rahmen hinaus Verwendung finden, sind in aller Munde. Entweder wird direkt die Antibiotikanutzung angeprangert, oder aber die mikrobiologische Qualität des Fleisches bemängelt.

Das Problem einer breiten Anwendung antibiotischer Wirkstoffe liegt in der Bildung von Resistenzen. Bakterien haben einige Eingenschaften, die zur Bildung von Resistenzen beitragen. Sie teilen sich sehr schnell und haben keine besonders gute Fehlerkorrektur bei der Vermehrung ihres Erbguts (DNA). Dadurch ist die Häufigkeit von Mutationen im Erbgut wesentlich erhöht. Aufgrund dieser Tatsache wird die Vielfalt genetischer Ausprägungen (Phänotypen) mit der Zeit immer größer. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass zufällig eine Resistenz entstanden ist. Diese kann dann, wenn das entsprechende Antibiotikum verabreicht wird, für die Bakterien vorteilhaft sein, weil sie, im Gegensatz zu  ihren Kollegen, nicht vom Antibiotikum beeinträchtigt werden (Selektionsvorteil). Man beobachtet nun eine Evolution im kleinen Maßstab, weil die am besten an die Umgebung angepassten Bakterien sich stärker vermehren (survival of the fittest).

Eine einzelne Resistenz ist erstmal noch kein allzu großes Problem. Jedoch sind viele Bakterien dazu in der Lage, Resistenzen an andere Bakterien weiter zu geben. Man spricht hier vom horizontalen Gentransfer. Das wird dann problematisch, wenn  ein Antibiotikum aufgrund der zunächst entstandenen Resistenz keine Wirkung mehr zeigt und ein anderes eingesetzt wird. Ehe man sich versieht hat man dann Bakterien, die zwei unterschiedlichen Antibiotika widerstehen können. Damit ist noch lange kein Ende erreicht.

Letztlich gelangen somit resistent Bakterien auf das Fleisch und landen beim Verbraucher. Das wurde nun auch von der oben verlinkten Organisation festgestellt. Was folgte war blinder Alarmismus durch die gesamte Medienlandschaft. Normalerweise sind nämlich Bakterien auf dem Fleisch zwar unappetitlich, aber eben auch weitgehend unproblematisch. Denn üblicherweise wird nur ein geringster Anteil roh verzehrt und die große Masse entsprechend durcherhitzt, insbeosondere Geflügel- und Schweinefleisch. Damit sind dann die Bakterien Geschichte und normalerweise nicht mehr gefährlich.

Das eigentliche Problem entgeht der Panikmache und ist auch für Vegetarier wie mich interessant. Die resistenten Keime enden eben nicht nur im Fleisch, sondern überall dort, wo es Kontakt zu den tierischen Produkten gibt. Und zu den Endprodukten. Betroffen ist also auch Gülle-gedüngtes Gemüse. Und das wird sehr häufig roh verzehrt. Dass das ein Problem ist, sah man an der EHEC-Epidemie 2011. Auch hier war Gemüse (Sprossen) der Überträger. Diese Erkrankung war acuh sehr schwer zu behandeln.

Die Frage ist, wie auf diese Zusammenhänge zu reagieren ist. Man könnte sich vom Salat abwenden, Rohes und unvollständig Gegartes meiden. Man könnte zu Bio-Lebensmitteln greifen. Letzteres ist meiner Meinung nach die beste Wahl, weil man einerseits die Gülle aus der konventionellen Massenhaltung meidet und andererseits das Problem an der Wurzel bekämpft. Biologische Landwirstschaft ist hinsichtlich des Antibiotikaeinsatzes viel stärker reglementiert. Den Biostempel ist man schnell los, wenn Antibiotika außerhalb einer Erkrankung eingesetzt werden. Weiterhin sind diese Arzneimittel auch viel seltener nötig, weil entsprechende Massenhaltung nicht erlaubt ist.

Auch wenn die EHEC-Epidemie ihre Ursache bei einem Biobetrieb hatte und auch die biologische Erzeugung nicht perfekt ist, so ist es zumindest bis zur flächendeckenden Durchsetzung besserer Standards bei der konventionellen Landwirtschaft, insbesondere bei der Tierhaltung, die bessere Wahl.

Sonntag, 12. Februar 2012

Willkommen

Sciensenses soll ein Blog über Wissenschaftlichkeit im Alltag sein.

Leider ist Wissenschaft gesellschaftlich unterrepräsentiert. Ich möchte einen kleinen Beitrag leisten, einerseits das Ansehen der Wissenschaft zu verbessern und andererseits mich der allseits auf dem Vormarsch befindlichen logikfeindlichen Pseudowissenschaft entgegenstellen.

Bedient werden soll ein weites Feld angefangen bei der Biologie und Medizin über Ernährung Sport und Lebensstil und manchmal wird es sicher einen politisch-philosophischen Einschlag geben.


Dabei soll es nicht allzu ernst und verbissen zugehen, vielmehr möchte ich humorvoll unterhalten und informieren.